{"id":84,"date":"2009-02-07T12:11:56","date_gmt":"2009-02-07T11:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/wp1057439.wp029.webpack.hosteurope.de\/apps\/wp\/?page_id=84"},"modified":"2010-12-25T18:53:33","modified_gmt":"2010-12-25T17:53:33","slug":"background","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/johnbellicchi-portfolio.blog-net.ch\/de\/seminars\/the-mens-workshop\/background\/","title":{"rendered":"Hintergrund"},"content":{"rendered":"<\/p>\n<div class=\"articleSum\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/johnbellicchi.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/manner-logo-64x64.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"64\" height=\"64\" \/><\/p>\n<h1>Der M\u00e4nnerworkshop \u2014 Hintergrund<\/h1>\n<\/div>\n<p>Einige Jahre lang hatte ich Seminare geleitet, die sich auf die Person als menschliches Wesen konzentrierten und nicht auf die Person als Mann oder Frau. Ich ignorierte das Geschlecht, wie andere Unterschiede auch, und fand in der Menschlichkeit den gemeinsamen Boden, auf dem die Liebe von Mensch zu Mensch gedeihen konnte. Ich wusste nicht, dass M\u00e4nner wie Frauen jeweils eigene Gemeinsamkeiten haben und diese auch brauchen, um einander zu lieben; die einzige Bezugsm\u00f6glichkeit, um die Entfremdungseffekte der Egozentrik zu \u00fcberwinden, sah ich in der alle umfassenden Menschheit. Ich hatte mich selbst noch nicht von der einen H\u00e4lfte der Menschheit differenziert und mit der anderen identifiziert.<\/p>\n<p>Als ich 1986 ein Wochenende mit 200 anderen M\u00e4nnern verbrachte, \u00e4nderte sich das gr\u00fcndlich. Es war ein unsanftes Erwachen ins Mannsein. Ich konnte mich mit dem so genannten wilden Mann in mir verbinden. Versteckt unter Bergen von Daunendecken einer geistt\u00f6tenden Verweiblichung, entdeckte ich ein haariges, m\u00e4nnliches Biest, von dem ich meine phallische Natur zur\u00fcckerlangte.<\/p>\n<p>Wir gingen sehr herzlich und gro\u00dfz\u00fcgig miteinander um. Ohne Frauen und mit so vielen Gemeinsamkeiten war es denkbar einfach. Wir konnten uns entspannen und lebten auf. Wir waren frei zu sein, wie wir sind, und erkannten uns im anderen wieder.<\/p>\n<p>Ausser Sex hatten wir alles, wof\u00fcr wir normalerweise zu Frauen gehen \u2014 Liebe, Verst\u00e4ndnis, W\u00e4rme, Mitgef\u00fchl, Akzeptanz, Wertsch\u00e4tzung. Hier gab es ein Bankett f\u00fcr jede liebeshungrige Seele, und es war gratis \u2014 ohne Schlingen und Haken. Wir staunten, dass wir diese Art Nahrung von anderen M\u00e4nnern bekommen konnten \u2014 und dass wir\u00a0daf\u00fcr\u00a0unsere m\u00e4nnlichen Werte nicht aufs Spiel setzen mussten.<\/p>\n<p>Anfangs gab es freilich reichlich Konfrontationen. Wir stritten miteinander, manchmal mit k\u00f6rperlichem Einsatz. Wir stritten, um den Weg zueinander zu finden. Wir bek\u00e4mpften uns, um Br\u00fcder zu werden, indem wir die festgefrorene Isolation mit leidenschaftlicher Aggression durchbrachen. Nach dieser Art des Zusammenkommens war es uns m\u00f6glich, eine kollektive m\u00e4nnliche Traurigkeit, die erl\u00f6st werden wollte, miteinander zu teilen. Es kam zu einer Eruption von Kummer. Ich habe schon viele Arten von Betr\u00fcbnis erlebt, aber nichts war vergleichbar mit dem, was ich an jenem Tag erlebte. Ein schier unermessliches, tief vergrabenes Leid \u2014 universelles Leid,\u00a0einverwoben in die Fasern stofflicher Existenz wie mir schien \u2014 \u00a0sprudelte mit geysirartiger Macht empor und ersch\u00fctterte mich. Als es vor\u00fcber war, war ich restlos ersch\u00f6pft. Kein Wunder, dass M\u00e4nner nicht weinen, erinnere ich mich, gedacht zu haben.<\/p>\n<p>Dieses Erlebnis zusammen mit den anderen Erfahrungen von jenem Wochenende er\u00f6ffnete mir eine v\u00f6llig neue Perspektive \u2014 eine, bei der ich die Entfaltungsm\u00f6glichkeiten, die sich aus der m\u00e4nnlichen oder weiblichen Natur einer Person ergeben, nicht l\u00e4nger ausser Acht lassen konnte. Beide Geschlechter haben ihre spezifischen Leidensarten; jede Leidensart f\u00fchrt zu eigener Weisheit und St\u00e4rke.\u00a0Damals\u00a0fasste ich\u00a0den Entschluss, andere M\u00e4nner in angemessener Form zu f\u00f6rdern. Aus dieser Absicht entstand 1987\u00a0der M\u00e4nnerworkshop; er sollte M\u00e4nnern Gelegenheit zu offenen Begegnungen geben und er sollte ein Raum sein, wo M\u00e4nner \u2014 auf vollkommen neue und\u00a0zugleich\u00a0uralte Art \u2014\u00a0\u00bbM\u00e4nner M\u00e4nner sein konnten\u00ab\u00a0und M\u00e4nner\u00a0\u00bbgemacht\u00ab\u00a0werden konnten.<\/p>\n<p>Was fehlt M\u00e4nnern in ihrem Leben und was soll durch den Workshop vermittelt werden? Eine Wertsch\u00e4tzung der M\u00e4nnlichkeit, die im Wesentlichen als geistige und nicht nur als biologische Kraft zu verstehen ist; k\u00f6rperlicher und emotionaler Kontakt mit anderen M\u00e4nnern; ein Initiationsprozess, der die mutterdominierte m\u00e4nnliche Seele ins Mannsein einweiht. Der Workshop ist nur f\u00fcr M\u00e4nner, die bereit sind, in einem intensiven Gruppenprozess\u00a0sich\u00a0mit sich selbst und anderen zu konfrontieren. Jeder Mann muss die volle Verantwortung f\u00fcr seine Teilnahme \u00fcbernehmen; in dieser Hinsicht ist der Workshop keine Therapie, doch in der Wirkung kann er therapeutisch sein.<\/p>\n<p>Ich habe beobachtet, dass M\u00e4nner, die den Workshop besuchen, sich gegenseitig in ihrer M\u00e4nnlichkeit st\u00e4rken \u2014 was geschieht, ist mehr als nur eine Bejahung ihres Geschlechts, wie mir scheint. Sie geben sich gegenseitig Energie oder bekommen sie durch den Gruppengeist. Durch recht aggressive Verhaltensweisen machen sie das Abstumpfen und Gl\u00e4tten ihrer rauen Kanten wieder wett, das der Umgang in einer h\u00f6flichen Gesellschaft erfordert. Als Folge davon wirken sie h\u00e4rter und strahlender, sch\u00e4rfer konturiert und geistesgegenw\u00e4rtiger.<\/p>\n<p>Mir w\u00fcrde es gen\u00fcgen, wenn jeder Teilnehmer hinterher von sich sagen kann, was einer einmal folgenderma\u00dfen formulierte: \u00bbNach dem Workshop wurden meine Beziehungen mit anderen M\u00e4nner viel entspannter. Ich traute mich, meine St\u00e4rken wie meine Schw\u00e4chen zu zeigen. Frauen gegen\u00fcber konnte ich mich mehr \u00f6ffnen und sie brachten mir mehr Wertsch\u00e4tzung entgegen. Meine M\u00e4nnergruppe, eine Folge des Workshops, hat mir zu weiteren Fortschritten verholfen, und gemeinsam lernen wir, mehr wie M\u00e4nner zu leben und alle m\u00e4nnlichen Eigenschaften in uns aufzunehmen.\u00ab<\/p>\n<p>Weitere Informationen unter \u00a0<a href=\"http:\/\/www.maennerworkshop.de\" target=\"_blank\">www.maennerworkshop.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der M\u00e4nnerworkshop \u2014 Hintergrund Einige Jahre lang hatte ich Seminare geleitet, die sich auf die Person als menschliches Wesen konzentrierten und nicht auf die Person als Mann oder Frau. Ich ignorierte das Geschlecht, wie andere Unterschiede auch, und fand in der Menschlichkeit den gemeinsamen Boden, auf dem die Liebe von Mensch zu Mensch gedeihen konnte. 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